Wie ich lernte, Blogartikel zu schreiben – mit Ferdinand von Schirach und einer KI
Ich kann keine langen Texte schreiben. Noch nie gekonnt.
Meine Stärke liegt woanders. Kurz und knapp. Auf den Punkt. Strukturiert. Vielleicht ist das der Grund, warum ich so gut mit KI arbeiten kann. Meine Prompts sind präzise. Nie zu kurz, nie zu lang. Ich weiß, wohin die Reise gehen soll.
Aber ein Blogartikel? Das war etwas anderes.
Das Buch
Ich hatte ein Buch von Ferdinand von Schirach in der Hand. Ich las. Die Seiten verschwanden. Seine Sätze sind kurz. Fast schon karg. Und doch ziehen sie einen hinein wie ein Sog. Jedes Wort sitzt. Keine Verschwendung. Keine Füllwörter. Nur das Nötige.
Ich dachte: So müsste ein Blogartikel sein.
Nicht diese endlosen Aufzählungen. Nicht diese aufdringlichen "Jetzt hier klicken"-Buttons. Nicht dieser Marketing-Sprech, der jeden in den Wahnsinn treiben kann. Sondern: Substanz. Atmosphäre. Etwas, das bleibt.
Die Analyse
Ich öffnete Claude. Lud den Text hoch. "Analysiere den Schreibstil von Ferdinand von Schirach", schrieb ich.
Die KI antwortete. Präzise. Sie erkannte die kurzen Sätze. Die atmosphärische Dichte. Den Fokus auf Details. Die emotionale Zurückhaltung bei gleichzeitiger Intensität. Literarisch, aber niemals abgehoben.
Gut. Das war der erste Schritt.
Aber ein Blogartikel braucht mehr als Stil. Er braucht Reichweite. Er muss gefunden werden. SEO. SEA. Keywords. Die harten Fakten.
Die Recherche
Ich gab Perplexity den Auftrag. "Was macht einen guten Blogartikel 2025 aus?"
Die Antwort war eindeutig. 1.600 bis 2.500 Wörter. Strukturierte Überschriften. Keywords alle 300 Wörter. Meta-Descriptions unter 160 Zeichen. Interne Verlinkung. Alt-Tags für Bilder. Die technische Seite. Die Maschinerie.
Ich hatte jetzt zwei Welten vor mir.
Die eine: Schirachs literarische Präzision. Die andere: SEO-Optimierung und Algorithmen. Zwei Universen, die sich nicht mögen. Die sich normalerweise nicht begegnen.
Ich musste sie zusammenbringen.
Das Projekt
Ich legte ein Projekt in Claude an. Zwei Dateien. Die erste: Schirachs Texte als Stilvorlage. Die zweite: Die SEO-Guidelines. Die harten Fakten zu Blogartikeln.
Dann fragte ich nach der Schnittmenge. "Wo kollidieren diese beiden Ansätze?"
Claude antwortete ehrlich. Die Probleme waren real.
Schirachs Sätze sind zu kurz für klassische Blog-Konventionen. Seine Absätze zu knapp. Sein Stil zu literarisch für Keywords. Zu zurückhaltend für Call-to-Actions. Zu subtil für die üblichen Engagement-Tricks.
Die KI wollte sich verselbständigen. Das tun sie immer. Sie wollen helfen. Optimieren. Verbessern. Aber dabei verlieren sie das Wesentliche.
Die Grenzen
Ich arbeite täglich mit KI. Ich kenne ihre Stärken. Ihre Schwächen. Ihre Tendenzen.
Eine davon: Sie möchten kreativ sein. Sie wollen Lösungen bieten, die ich nicht gefragt habe. Sie fügen hinzu. Erweitern. Schmücken aus.
Das wollte ich nicht.
Die Kreativität sollte meine bleiben. Die Vision. Die Richtung. Die KI ist Werkzeug, nicht Autor. Partner, nicht Ersatz.
Also stellte ich Regeln auf. Klare Grenzen. Ein Briefing-Dokument. Fragen, die die KI mir vor jedem Artikel stellen muss. Ich-Perspektive oder neutral? Erfahrungsbericht oder Fachtext? Dann erst darf sie beginnen.
Die KI muss warten. Auf meine Entscheidung. Auf meine Richtung.
So funktioniert es.
Die Balance
Der Schirach-Stil hat Priorität. Immer. Auch wenn es Blog-Standards widerspricht. Auch wenn SEO-Experten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden.
Aber die technischen Anforderungen ignoriere ich nicht. Sie sind da. Im Hintergrund. Strukturierte Überschriften. Interne Links. Alt-Tags. Meta-Descriptions. Die Maschinerie läuft mit.
Nur sichtbar wird sie nicht.
Ein guter Blogartikel 2025 ist keine Entweder-oder-Entscheidung mehr. Er kann literarisch sein und trotzdem gefunden werden. Er kann Atmosphäre haben und trotzdem ranken. Er kann kurze Sätze nutzen und trotzdem 2.000 Wörter füllen.
Es geht um Balance. Um das Unsichtbare.
Der erste Artikel
Dieser Text hier ist mein erster Blogartikel. Über das Schreiben von Blogartikeln. Meta. Vielleicht zu meta.
Aber er funktioniert. Nach meinen Regeln. Nach Schirachs Vorbild. Mit den technischen Anforderungen im Hintergrund.
Ich habe gelernt: Man kann nicht gut schreiben, wenn man nur an Keywords denkt. Man kann aber auch nicht erfolgreich sein, wenn man sie ignoriert.
Die Kunst liegt dazwischen. In der Schnittmenge. Dort, wo Stil auf Struktur trifft. Wo Literatur auf Algorithmus trifft. Wo das Handwerk auf die Maschine trifft.
Was bleibt
Ich kann immer noch keine langen Texte schreiben. Nicht im klassischen Sinn.
Aber ich kann kurze Sätze aneinanderreihen. Atmosphäre schaffen. Details setzen. Geschichten erzählen, die bleiben.
Mit Hilfe von Ferdinand von Schirach. Mit Hilfe einer KI. Mit Hilfe klarer Grenzen und präziser Prompts.
Vielleicht ist das der Weg. Für Menschen wie mich. Die es kurz und knapp lieben. Die strukturiert denken. Die wissen, wohin die Reise gehen soll.
Der Blogartikel muss nicht sein wie alle anderen. Er kann anders sein. Literarischer. Dichter. Echter.
Man muss nur wissen, wie man die Werkzeuge nutzt. Und wann man sie stoppt.
Die Kreativität bleibt beim Menschen. Die Umsetzung bei der Maschine. Die Balance zwischen beiden – das ist die Kunst.
Und diese Balance habe ich gefunden. Mit einem Buch in der Hand. Einer KI im Hintergrund. Und der Überzeugung, dass gute Texte keine Kompromisse sein müssen.
Sie können beides sein. Literarisch und sichtbar. Kurz und ausführlich. Menschlich und optimiert.
Man muss nur wissen, wie.
Findest du dich in diesem Ansatz wieder? Kämpfst du auch mit der Balance zwischen Stil und Sichtbarkeit?